Warum dieselbe Maßnahme zwischen 130 und 600 Euro pro Quadratmeter kosten soll
Wer nach Kosten für eine Dachsanierung sucht, findet Quadratmeterpreise. Nur passen sie nicht zueinander. Vier Quellen, die alle dieselbe Maßnahme beschreiben, eine Neueindeckung mit Aufsparrendämmung, nennen Spannen, deren Extremwerte um das Vier- bis Fünffache auseinanderliegen.
| Quelle | Spanne | Stand der Quelle | Leistungsumfang |
|---|---|---|---|
| co2online | 130–200 €/m² | ohne Datum, Seitentitel nennt 2025 | Dämmmaterial, Anbringen und Wiedereindecken |
| Klotz Bedachungen | 150–350 €/m² | September 2026 | inklusive Abdecken, Entsorgung, Gerüst; ohne Schadstoffe, Statik, Kran |
| Verbraucherzentrale | 250–390 €/m² | 15. September 2026 | nicht angegeben, Aufsparrendämmung und Flachdach in einer Spanne |
| Schwäbisch Hall | 400–600 €/m² | kein Datum auffindbar | nicht angegeben |
Zwei dieser vier Quellen sind nicht kommerziell. Die Verbraucherzentrale und die gemeinnützige co2online haben kein Interesse daran, Preise zu schönen, und liegen trotzdem um den Faktor zwei auseinander. Der Grund steht in der letzten Spalte: Nur zwei der vier sagen überhaupt, welche Leistungen in ihrer Spanne enthalten sind. Die Verbraucherzentrale fasst Aufsparrendämmung und Flachdachdämmung zu einem Wert zusammen, obwohl das unterschiedliche Arbeiten sind. Bei Schwäbisch Hall ließ sich weder ein Datum noch eine Datengrundlage finden.
Eine Stufe darunter wird es deutlicher. Das Vermittlungsportal MyHammer nennt für die Dachsanierung 60 bis 300 Euro pro Quadratmeter und weist auf derselben Seite aus, dass seine Schätzungen KI-gestützt zusammengetragen wurden. Die Offenlegung ist korrekt, sie hat aber eine Konsequenz: Eine so entstandene Zahl beschreibt, was im Netz über den Markt steht, und nicht den Markt. Als Preisquelle taugt sie damit nicht.
Eine amtliche Statistik zu Quadratmeterpreisen für Dachsanierungen gibt es nicht. Das Statistische Bundesamt erhebt, wie stark sich Dachdeckungsarbeiten verteuern, nicht, was sie kosten. Preisdatenbanken wie BKI und sirAdos wären die fachlich richtige Grundlage, sind aber kostenpflichtig und standen für diese Recherche nicht zur Verfügung.
Was folgt daraus für diese Seite? Ich bilde aus den Quellen keinen Mittelwert. Der Durchschnitt aus 130 und 600 wäre eine Zahl, die keine einzige Quelle stützt, und sie sähe präziser aus als alles, was tatsächlich bekannt ist. Stattdessen steht unter jeder Angabe auf dieser Seite, woher sie kommt und was sie umfasst.
Welche Fläche überhaupt gemeint ist
Die häufigste Suchanfrage in diesem Umfeld lautet sinngemäß „Dachsanierung 100 qm". Sie enthält eine Zahl ohne Bezugsgröße, und je nachdem, was gemeint ist, verdoppelt sich das Ergebnis.
| Gemeint ist | Dachfläche liegt dann bei |
|---|---|
| 100 m² Wohnfläche auf zwei Vollgeschossen | etwa 70 bis 90 m² |
| 100 m² Wohnfläche auf einem Geschoss plus Dachgeschoss | etwa 90 bis 115 m² |
| 100 m² Grundfläche | etwa 130 bis 145 m² |
| 100 m² Dachfläche | 100 m² |
Die Werte in der rechten Spalte sind Überschlagsrechnungen für ein Satteldach mit 38 Grad Neigung, nicht die Formel für Ihr Haus. Sie zeigen aber die Größenordnung des Problems: Zwischen der ungünstigsten und der günstigsten Lesart derselben Zahl liegt also ungefähr der Faktor zwei. Bei 80 bis 150 Euro pro Quadratmeter für eine reine Neueindeckung entspricht das einem Unterschied von etwa 5.600 bis 21.750 Euro, und zwar allein aus der Frage, welche Fläche jemand gemeint hat.
Abgerechnet wird die Dachfläche, also die tatsächliche Fläche der geneigten Dachhaut samt Überstand. Zwei Effekte sorgen dafür, dass sie mit der Wohnfläche wenig zu tun hat. Eine geneigte Fläche ist länger als ihre Projektion auf den Boden, deshalb wächst das Dach mit der Neigung. Gleichzeitig verteilt sich die Wohnfläche auf mehrere Geschosse, das Dach deckt aber nur eine Grundfläche ab. Die beiden Effekte wirken gegeneinander, und deshalb gibt es keinen Umrechnungsfaktor, der für jedes Haus stimmt.
Was sich rechnen lässt, ist der Schritt von der Grundfläche zur Dachfläche. Der hängt nur an der Neigung.
Ein Haus mit 8,0 auf 10,0 m Grundfläche hat 80 m² Grundriss. Das Dach kragt an den Traufen 0,5 m und an den Giebeln 0,3 m aus, überdeckt also 9,0 auf 10,6 m und damit 95,4 m² in der Draufsicht. Bei 38° Neigung ist die tatsächliche Dachfläche das 1/cos(38°)-fache davon: rund 121 m².
Aus 80 m² Grundriss werden damit gut 120 m² Abrechnungsfläche. Bei 30° Neigung wären es rund 110 m², bei 45° rund 135 m². Die belastbare Zahl liefert das Aufmaß des Betriebs, weil Gauben, Kehlen und Anbauten die Fläche verändern, ohne dass sich der Grundriss ändert.
Die Neigung steht oft in den Bauunterlagen. Falls nicht, ist sie messbar, und jeder Betrieb ermittelt sie beim Aufmaß ohnehin. Für eine erste Einordnung reicht die Grundfläche des Hauses mal dem Faktor aus der Zeichnung. Für ein Angebot reicht sie nicht, weil Gauben, Kehlen und Anbauten die Fläche verändern, ohne dass sich der Grundriss ändert.
Woraus der Preis entsteht
Eine Gesamtzahl verrät nicht, warum sie so hoch ist. Die Kostenstruktur schon. Üblicherweise werden die Positionen in der Reihenfolge aufgelistet, in der sie auf der Baustelle anfallen. Nützlicher ist eine andere Sortierung: danach, wie sich ein Block verhält, wenn sich am Projekt etwas ändert.
Weitgehend fix
Fällt einmal an, unabhängig davon, ob das Dach 60 oder 200 Quadratmeter misst. Der Gerüstbaubetrieb KOLB & KERN nennt für kleine Flächen einen Mindestpreis, weil Auf- und Abbau den Hauptaufwand ausmachen und nicht die Fläche.
- Baustelleneinrichtung und Anfahrt
- Gerüst: Auf- und Abbau
- Planung, bei Förderung der Energieeffizienz-Experte
Zeitabhängig
Läuft weiter, auch wenn niemand auf dem Dach steht. Gerüste werden je Monat abgerechnet. Eine Woche Regen verlängert die Standzeit und die Position.
- Standzeit des Gerüsts
- Wetterschutz, solange das Dach offen ist
Ungefähr flächenabhängig
Skaliert mit der Dachfläche, weil Material und Handarbeit je Quadratmeter anfallen. Das ist der Teil, für den ein Quadratmeterpreis tatsächlich etwas aussagt.
- Rückbau der alten Eindeckung
- Unterdeckung
- Konter- und Traglattung
- Dämmung
- Deckmaterial
- Verlegung der Eindeckung
Stufig
Springt an einer Schwelle. Container gibt es bei containerdienst.de in 3, 5, 7, 10 und 12 Kubikmetern. Ein Quadratmeter mehr Abbruch kann den nächsten Container auslösen, zehn Quadratmeter weniger ändern gar nichts.
- Entsorgung der alten Eindeckung
Nach Stück oder laufendem Meter
Hängt an der Zahl der Details, nicht an der Fläche. Zwei Dächer mit identischer Quadratmeterzahl können hier weit auseinanderliegen.
- Kehlen, Grate und Wandanschlüsse
- Schornsteinanschluss
- Dachrinnen und Fallrohre
- Schneefang und Sicherheitstechnik
- Dachfenster und Gauben
Ereignis- oder zustandsabhängig
Kostet entweder nichts oder viel. Ob überhaupt, entscheidet sich meist erst, wenn die alte Eindeckung herunter ist.
- Schäden am Dachstuhl
- Asbest oder teerhaltige Dachpappe
- Statiknachweis
- Kranbedarf, Hanglage, Denkmalauflagen
Diese Gruppierung beantwortet eine Frage, die in Ratgebern meist mit „Mengenrabatt" abgetan wird: Warum ist ein kleines Dach pro Quadratmeter teurer als ein großes? Weil ein erheblicher Teil der Kosten gar nicht an der Fläche hängt. Baustelleneinrichtung, Gerüstaufbau und Planung fallen beim 60-Quadratmeter-Dach fast genauso an wie beim 200-Quadratmeter-Dach. Sie verteilen sich nur auf weniger Fläche.
Derselbe Mechanismus erklärt, warum sich das Bündeln von Maßnahmen rechnet. Steht das Gerüst und ist die Eindeckung ohnehin herunter, kostet die zusätzliche Dämmung weniger als in einem eigenen Projekt zwei Jahre später. Das ist kein Verkaufsargument, sondern eine Folge der Fixkostenverteilung, und man kann sie an der Gruppierung oben ablesen.
Beim Gerüst kommt eine Anforderung hinzu, die in Kostenlisten selten auftaucht. Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft beschreibt im Baustein B 121 (öffnet in neuem Tab) Dachfanggerüste als Auffangeinrichtung für den Fall, dass bei Dacharbeiten aus arbeitstechnischen Gründen keine Dachschutzwand an der Traufe eingesetzt werden kann. Die dort genannten Voraussetzungen betreffen Dächer mit mehr als 22,5 und bis zu 60 Grad Neigung, wenn die Absturzhöhe ab der Traufe mehr als 2,00 Meter beträgt. Bei einem Einfamilienhaus mit üblicher Traufhöhe und einem Satteldach in dieser Neigungsspanne treffen diese Voraussetzungen zu. Die Sicherung an der Traufe ist dann Teil der Leistung. Ob sie im Gerüstpreis steckt oder als eigene Position auftaucht, verrät das Angebot, falls es die Position überhaupt ausweist.
Wann aus einer Neueindeckung eine Dämmmaßnahme wird
Es gibt einen Punkt, an dem aus einer Neueindeckung von Gesetzes wegen eine energetische Maßnahme wird, und er entscheidet darüber, ob Modellfall A oder Modellfall B der richtige Vergleich ist.
Seit dem 29. Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz. Nach § 36 GModG (öffnet in neuem Tab) müssen geänderte Außenbauteile die Höchstwerte der Anlage 7 einhalten. Anlage 7 Nummer 5b nennt den auslösenden Vorgang ausdrücklich: den Ersatz oder Neuaufbau einer Dachdeckung einschließlich der darunter liegenden Lattungen und Verschalungen. Für Dachflächen liegt der Höchstwert bei einem Wärmedurchgangskoeffizienten von 0,24 W/(m²·K).
Für die Kosten heißt das: Wer die Lattung mit erneuert, und das ist bei einer Neueindeckung der Normalfall, muss die betroffene Fläche auf diesen Wert bringen. Die Dämmung ist dann keine Option mehr, über die man beim Preis verhandelt. Sie gehört zum Auftrag. Wer nur einzelne Ziegel tauscht und die Lattung liegen lässt, löst die Anforderung nicht aus, und wenn die Änderung höchstens zehn Prozent der gesamten Dachfläche betrifft, greift sie ebenfalls nicht.
Welche Dämmvariante am Ende passt, hängt von Sparrenhöhe, Innenausbau und vorhandener Konstruktion ab. Die Dämmverfahren im Vergleich ordnen das nach Ausgangslage. Der Zusammenhang mit den Pflichten aus dem GModG steht ausführlich in der Übersicht zur Dachsanierung. Welche Leistungen zu einer reinen Neueindeckung gehören und was gesondert berechnet wird, steht dort im Detail.
Drei Modellfälle, ein Dach
Die drei folgenden Fälle haben dieselbe Dachfläche, dieselbe Dachform und denselben Zugang. Sie unterscheiden sich ausschließlich im Leistungsumfang. Genau darum geht es: Bei identischer Fläche entstehen sehr unterschiedliche Summen.
Gerechnet wird mit 120 m² Dachfläche, einem Satteldach mit 38 Grad Neigung ohne Gauben, freiem Zugang für Gerüst und Container, Tonziegeln aus dem Standardsortiment und einem Bestand ohne Schadstoffe. Alle Beträge sind brutto und verstehen sich vor Förderung.
Modellfall A
Neueindeckung, Tragwerk intakt
Annahmen
- Die Eindeckung ist am Ende ihrer Nutzungsdauer, der Dachstuhl wurde geprüft und ist tragfähig.
- Enthalten sind Abdecken, übliche Entsorgung, Unterdeckung, Lattung, neue Eindeckung mit Montage, einfache Anschlüsse und ein Standardgerüst.
- Nicht enthalten sind Schadstoffe, Statiknachweis und Kran.
- Keine energetische Maßnahme. Das setzt voraus, dass die Anforderung aus § 36 GModG im konkreten Fall nicht greift.
| Position | Spanne | Hinweis |
|---|---|---|
| Neueindeckung, gesamte Leistung | 80–150 €/m² | Klotz Bedachungen, Stand September 2026 |
| darin enthalten: Gerüst | 10–20 €/m² | Gegenprobe KOLB & KERN: 1.000–3.000 € je Monat |
| darin enthalten: Deckmaterial Tonziegel | 20–60 €/m² | Klotz Bedachungen und Listenpreise BENZ24 |
Orientierung für 120 m² Dachfläche
10.000–18.000 € brutto
Abgeleitet aus der Spanne von Klotz Bedachungen (September 2026), gegengeprüft mit den Materialpreisen von BENZ24 und den Gerüstpreisen von KOLB & KERN, beide abgerufen am 21.09.2026. Redaktionelle Orientierung, kein Marktpreis.
Modellfall B
Neueindeckung plus Aufsparrendämmung
Annahmen
- Wie A, zusätzlich eine Dämmung oberhalb der Sparren.
- Dachüberstand und Anschlüsse werden an die neue Aufbauhöhe angepasst.
- Bei Förderung ist ein Energieeffizienz-Experte einzubinden. Sein Honorar ist in den Zahlen nicht enthalten, weil sich dafür keine belastbare Quelle finden ließ.
| Position | Spanne | Hinweis |
|---|---|---|
| Gesamtleistung mit Dämmung | 150–350 €/m² | Klotz Bedachungen, Stand September 2026 |
| Gegenrechnung, unteres Ende | 130–200 €/m² | co2online, ohne Datum |
| Gegenrechnung, oberes Ende | 250–390 €/m² | Verbraucherzentrale, Stand 15.09.2026 |
Orientierung für 120 m² Dachfläche
18.000–42.000 € brutto
Die drei Quellen ergeben für dieselbe Maßnahme 15.600 bis 24.000 €, 18.000 bis 42.000 € und 30.000 bis 46.800 €. Die mittlere Spanne überlappt mit beiden anderen und stammt aus der einzigen Quelle, die ihren Leistungsumfang vollständig benennt. Sie steht deshalb hier, nicht weil sie richtiger wäre.
Modellfall C
Wie B, plus Tragwerk und zwei Dachfenster
Annahmen
- Wie B, zusätzlich Teilaustausch von Sparren und zwei neue Dachfenster.
- Angenommen wird, dass etwa ein Viertel der Dachfläche vom Holzschaden betroffen ist. Diese Annahme ist redaktionell gesetzt und steht in keiner Quelle.
- Statiknachweis und Kran sind nicht eingerechnet. Für beides ließ sich keine belastbare Preisangabe finden.
| Position | Spanne | Hinweis |
|---|---|---|
| Basis wie Modellfall B | 18.000–42.000 € | 120 m² zu 150–350 €/m² |
| zwei Dachfenster, fertig eingebaut | 3.600–5.600 € | Material 830–1.250 € je Stück laut BENZ24, Gesamtpreis abgeleitet |
| Teilaustausch von Sparren | ab 3.000 € | Aufschlag ab etwa 100 €/m² auf die betroffene Fläche |
| Statiknachweis, Kran, Auflagen | offen | keine belastbare Quelle |
Orientierung für 120 m² Dachfläche
ab etwa 25.000 € brutto, nach oben offen
Bewusst ohne Obergrenze. Der Anteil des Tragwerks hängt davon ab, wie viel Holz tatsächlich ersetzt werden muss, und das steht erst fest, wenn die Eindeckung herunter ist. Eine geschlossene Spanne wäre an dieser Stelle erfunden.
| Modellfall A | Modellfall B | Modellfall C | |
|---|---|---|---|
| Dachfläche | 120 m² | 120 m² | 120 m² |
| Umfang | Neueindeckung | Neueindeckung plus Aufsparrendämmung | wie B, plus Arbeiten am Tragwerk und zwei Dachfenster |
| Orientierung brutto | 10.000–18.000 € | 18.000–42.000 € | ab etwa 25.000 €, nach oben offen |
| je m² Dachfläche | 80–150 € | 150–350 € | als Einzelwert nicht sinnvoll angebbar |
| Wie sicher ist das? | zwei Quellen, Umfang benannt | drei Quellen, die weit auseinanderliegen | Basis belegt, Tragwerksanteil nicht |
Zwischen A und B liegen bei gleicher Fläche etwa 8.400 bis 24.000 Euro. Diese Differenz ist eine Ableitung aus zwei Spannen und trägt die Unsicherheit beider. Sie taugt als Größenordnung für die Frage, ob sich das Mitdämmen lohnt. Sie taugt nicht als Aussage darüber, was die Dämmung kostet.
Warum ich für Modellfall C keine Obergrenze nenne: Der einzige Posten, der ein Dachbudget zuverlässig sprengt, ist der Zustand des Tragwerks, und über den weiß vor dem Abdecken niemand genug. Eine Zahl dahinter zu schreiben würde eine Sicherheit vortäuschen, die der Betrieb im Vor-Ort-Termin selbst nicht hat.
Was ein Quadratmeterpreis taugt
Trotz allem hat der Quadratmeterpreis eine Aufgabe, und zwar eine ziemlich genaue: Er plausibilisiert ein Angebot, das bereits vorliegt. Wenn Sie die Dachfläche kennen und wissen, welche Leistungen darin stecken, sagt Ihnen die Division, ob Sie am unteren oder am oberen Rand des Üblichen liegen. Weicht das Ergebnis stark ab, haben Sie eine konkrete Rückfrage statt eines Bauchgefühls.
Als Einstieg funktioniert die Kennzahl nicht, und der Grund ist banal. Ein Betrag ohne Leistungsbeschreibung verhält sich wie eine Preisangabe für ein Auto, bei der offen bleibt, ob Räder dabei sind. Die Zahl stimmt womöglich sogar. Sie beantwortet nur eine andere Frage.
Dazu kommt der Effekt aus dem Kostenbaum weiter oben. Weil ein Teil der Kosten fix ist, fällt der Quadratmeterpreis mit wachsender Fläche. Ein Vergleich zwischen einem 70-Quadratmeter-Dach und einem 200-Quadratmeter-Dach über diese Kennzahl ist deshalb schief, selbst wenn beide dieselbe Leistung umfassen.
Praktisch heißt das: Quadratmeterpreise gehören ans Ende der Überlegung, nicht an den Anfang. Am Anfang steht die Frage, was gemacht werden soll.
Was den Preis nach oben zieht
Die folgenden Faktoren wirken unterschiedlich stark. Die ersten drei entscheiden über die Größenordnung, der Rest verschiebt sie innerhalb der Spanne.
| Treiber | Einfluss | Warum |
|---|---|---|
| Leistungsumfang | hoch | Entscheidet, welche der Blöcke oben überhaupt anfallen. Der Unterschied zwischen Modellfall A und C ist größer als jeder andere Effekt auf dieser Seite. |
| Zustand des Dachstuhls | hoch | Der einzige Posten mit offenem Ende. Vor dem Abdecken nur begrenzt beurteilbar. |
| Dachfläche und Dachform | hoch | Die Fläche skaliert die variablen Blöcke. Kehlen, Grate und Gauben vervielfachen die Handarbeit bei gleicher Quadratmeterzahl. |
| Deckmaterial | mittel | Klotz Bedachungen nennt für das reine Material 10–25 €/m² beim Betondachstein und 60–120 €/m² bei Schiefer. Auf 120 m² sind das 1.200 € gegenüber 7.200 bis 14.400 €. |
| Dämmverfahren | mittel | Eine Aufsparrendämmung setzt voraus, dass das Dach ohnehin geöffnet wird. Eine Zwischensparrendämmung kommt ohne Neueindeckung aus und liegt laut co2online bei 70–120 €/m². |
| Zugänglichkeit und Gerüstaufwand | mittel | Wirkt als Fixkostenblock und trifft kleine Dächer deshalb härter. |
| Anschlüsse und Durchdringungen | mittel | Jede Gaube, jeder Schornstein, jede Kehle ist Handarbeit und wird nach Stück oder laufendem Meter abgerechnet. |
| Zeitpunkt | mittel | Dachdeckungsarbeiten lagen im Mai 2026 um 7,3 Prozent über dem Vorjahr. Ein Angebot von vor einem Jahr ist kein Vergleichsmaßstab. |
| Schadstoffe im Bestand | situationsabhängig | Eigener Entsorgungsweg, Fachbetrieb mit Sachkunde, Vorbereitung vor dem ersten Handgriff. |
| Denkmalschutz, Hanglage, Kran | situationsabhängig | Bindet Material, Zugang oder Technik und wird in Angeboten üblicherweise separat ausgewiesen. |
| Region | situationsabhängig | Das Lohnniveau unterscheidet sich. Das Statistische Bundesamt weist bundesweit aus, eine belastbare regionale Spreizung ließ sich nicht finden. |
Beim Material lohnt eine Einordnung, weil es in Beratungsgesprächen oft im Mittelpunkt steht. Die Spreizung ist real: Zwischen Betondachstein und Schiefer liegt beim reinen Deckmaterial etwa der Faktor sechs, auf 120 Quadratmeter gerechnet also mehrere tausend Euro. Gemessen am Unterschied zwischen Modellfall A und Modellfall C bleibt sie trotzdem der kleinere Hebel. Wer sparen will, schaut zuerst auf den Umfang und danach auf den Ziegel.
Die Materialpreise in der Tabelle sind reines Deckmaterial. First-, Ortgang- und Lüfterziegel, Verklammerung, Schneefang und Lieferung kommen hinzu, und die Verlegung ist bei Schiefer deutlich aufwendiger als bei einer Falzpfanne. Welches Material zu Dachneigung, Gewicht und Gebäude passt, ist eine eigene Frage und für die Kostenspanne zweitrangig.
Die zwei Posten, die ein Budget wirklich sprengen
Zwei Positionen verhalten sich anders als alle übrigen. Sie kosten entweder nichts oder sehr viel, und ob sie anfallen, zeigt sich oft erst, wenn die Arbeit begonnen hat.
Der Dachstuhl
Solange die Eindeckung liegt, sieht niemand die Sparren von oben. Eine Begutachtung vom Dachboden aus zeigt viel, aber nicht alles, weil Feuchteschäden häufig an den Auflagerpunkten und unter der Dämmung beginnen. Deshalb ist der Zustand des Tragwerks der Posten mit dem offenen Ende, und deshalb steht bei Modellfall C keine Obergrenze.
Was sich dagegen tun lässt, ist eine Vereinbarung vor Baubeginn: eine Eventualposition für Holzarbeiten mit einem festen Einheitspreis je laufendem Meter oder je Quadratmeter. Dann ist im Schadensfall der Preis geklärt und nur noch die Menge offen. Das ersetzt keine Prüfung, macht die Überraschung aber kalkulierbar. Eine Ferndiagnose über den Zustand Ihres Dachstuhls kann diese Seite nicht leisten. Dafür braucht es jemanden, der auf dem Dachboden steht.
Schadstoffe im Bestand
Ältere Faserzementplatten und teerhaltige Dachpappe gehören nicht in den normalen Bauschuttcontainer. Für sie gelten eigene Entsorgungswege, und die Arbeiten dürfen nur Betriebe mit der entsprechenden Sachkunde ausführen. Das verschiebt den Zeitplan und die Kosten spürbar.
Hier gibt es eine Pflicht, die viele Eigentümer nicht kennen. Nach § 5a der Gefahrstoffverordnung (öffnet in neuem Tab) muss derjenige, der Arbeiten an einem Gebäude veranlasst, dem ausführenden Betrieb vor Beginn alle ihm vorliegenden Informationen über vorhandene oder vermutete Gefahrstoffe schriftlich oder elektronisch zur Verfügung stellen. Absatz 4 stellt ausdrücklich klar, dass das auch für private Haushalte gilt. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin geht in ihrer Leitlinie zur Asbesterkundung davon aus, dass in Bauwerken mit Baubeginn vor dem 31. Oktober 1993 mit asbesthaltigen Bauprodukten zu rechnen ist.
Daraus folgt eine schlichte Konsequenz für die Anfrage. Das Baujahr gehört hinein, und bei einem Haus aus den Achtzigern lohnt die Frage nach dem Material der alten Deckung, bevor das erste Angebot geschrieben wird. Ein Angebot, das stillschweigend einen schadstofffreien Bestand voraussetzt, ist später nicht mehr das Angebot, das Sie verglichen haben. Wie die Entsorgung im Einzelfall abläuft, klärt der Fachbetrieb, nicht diese Seite.
Zwei Angebote, dieselbe Endsumme, verschiedene Leistung
Angenommen, Sie haben zwei Angebote über jeweils rund 24.000 Euro. Im ersten sind Gerüst mit vier Wochen Standzeit, Entsorgung und Unterdeckung einzeln aufgeführt. Im zweiten steht eine Zeile „Dacherneuerung einschließlich Nebenarbeiten". Die Endsummen sind vergleichbar, die Leistungen nicht. Welche der Positionen im zweiten Angebot fehlen, merken Sie erst, wenn sie als Nachtrag kommen.
Ein Beispiel, an dem sich das gut zeigen lässt, sind Dachfenster. Beim Baustoffhändler BENZ24 kostet ein VELUX GGU 0070 ab 495 Euro, der passende Eindeckrahmen EDW 2000 ab 128,95 Euro und das Innenfutter ab 195,95 Euro (Listenpreise, abgerufen am 21.09.2026, inklusive Mehrwertsteuer, zuzüglich Versand). Drei Positionen, bevor jemand auf dem Dach steht. Ein Angebot, das nur „Dachfenster" nennt, kann alle drei enthalten oder nur die erste. Wichtiger als die Beträge ist hier die Struktur: Was im Angebot wie eine Position aussieht, besteht aus mehreren.
Dasselbe Muster gibt es beim Gerüst, wo häufig die Standzeit fehlt, und bei der Entsorgung, wo die Menge fehlt. Die Liste unten ist dafür gedacht, mit einem vorliegenden Angebot in der Hand durchgegangen zu werden. Was nicht darin steht, ist nicht automatisch vergessen. Es ist aber eine Frage wert.
Prüfhilfe
Positionen, die in einem Angebot stehen sollten
- Gerüst als eigene Position, mit Gerüstfläche und vereinbarter Standzeit
- Abdecken und Entsorgung der alten Eindeckung, mit Containergröße oder Mengenansatz
- Getrennte Abfallwege für Ziegel, Altholz und Bitumenbahnen
- Unterdeckung mit Produktangabe
- Konter- und Traglattung mit Querschnitt und Abstand
- Anzahl der Kehlen, Grate, Wandanschlüsse und Schornsteinanschlüsse
- Dachrinnen und Fallrohre in laufenden Metern, mit Material
- Bei Dachfenstern: Fenster, Eindeckrahmen, Innenfutter und Einbau getrennt
- Eventualpositionen für Holzarbeiten, mit Einheitspreis, vereinbart vor Baubeginn
- Aufmaß in Quadratmetern Dachfläche und eine Regel für Abweichungen
- Angabe, ob das Angebot von einem schadstofffreien Bestand ausgeht
- Endbetrag mit ausgewiesener Mehrwertsteuer
- Bei geplanter Förderung: eine Förderklausel im Vertrag
Vergleichbar werden Angebote erst, wenn ihnen derselbe schriftlich festgehaltene Leistungsumfang zugrunde liegt. Woran sich ein Betrieb sonst noch einschätzen lässt, steht unter Kriterien für die Betriebsauswahl.
Warum die Arbeit schneller teurer wird als das Material
Zwei Zahlen des Statistischen Bundesamtes nebeneinander zeigen, woher der Preisdruck gerade kommt. Dachdeckungsarbeiten waren im Mai 2026 um 7,3 Prozent teurer als im Mai 2025, Zimmer- und Holzbauarbeiten ebenfalls. Der Gesamtindex für den Neubau von Wohngebäuden stieg im selben Zeitraum um 5,0 Prozent, die Instandhaltung um 5,6 Prozent. Im Februar 2026 hatte der Anstieg bei Dachdeckungsarbeiten noch 4,0 Prozent betragen.
Die zweite Zahl steht in der Statistik der Erzeugerpreise: Dachziegel aus keramischen Stoffen verteuerten sich im Mai 2026 gegenüber dem Vorjahr um 0,6 Prozent. Der Ziegel ist also praktisch stabil, die Leistung, ihn aufs Dach zu bringen, nicht. Das deutet darauf hin, dass der Anstieg überwiegend auf der Arbeitsseite entsteht, und dazu passt eine dritte Quelle: Mit der Dreizehnten Dachdeckerarbeitsbedingungenverordnung gilt seit dem 1. Januar 2026 ein Mindeststundenentgelt von 16,60 Euro brutto für gelernte Arbeitnehmer im Dachdeckerhandwerk. Es steigt 2027 auf 17,10 Euro und 2028 auf 17,60 Euro.
Nicht jedes Material ist stabil. Bitumen, das in Unterdeckbahnen und Flachdachabdichtungen steckt, verteuerte sich im selben Zeitraum um 31,2 Prozent, Dachlatten um 11,8 Prozent, Metalle um 11,1 Prozent. Für die meisten Steildachprojekte bleibt der Effekt dieser Posten am Gesamtpreis klein, weil sie nur kleine Teile des Aufbaus ausmachen.
Eine Einschränkung gehört dazu, und sie ist wichtiger als die Zahlen selbst. Der Baupreisindex misst Preisentwicklung, kein Preisniveau. Aus 7,3 Prozent folgt kein einziger Eurobetrag. Er bezieht sich außerdem auf Bauleistungen am Neubau; für Bestandsarbeiten ist der Index für Instandhaltung die nähere, aber gröbere Größe. Was sich aus beiden Zahlen ableiten lässt, ist eine Konsequenz für die Praxis: Ein Vergleichsangebot aus dem Vorjahr ist kein Maßstab mehr, und eine Preisangabe im Netz ohne Datum ist nach zwölf Monaten spürbar daneben.
Was Förderung am Eigenanteil ändert
Alle Zahlen auf dieser Seite stehen vor Förderung. Das ist eine bewusste Entscheidung: Ein Zuschuss bezieht sich auf die förderfähigen Kosten, nicht auf die Rechnungssumme, und bei einer Neueindeckung ohne Dämmung gibt es meist gar keine. Eine eingerechnete Ersparnis würde die Modellrechnungen mit der nächsten Programmänderung falsch machen.
Drei Punkte sind trotzdem für die Kostenplanung relevant. Förderung verändert den Eigenanteil, nicht die Baukosten. Die Bedingungen ändern sich regelmäßig, maßgeblich ist immer die zum Zeitpunkt des Antrags gültige Richtlinie. Und die Reihenfolge ist zeitkritisch: Der Antrag muss vor Baubeginn gestellt sein, der Vertrag mit dem Betrieb braucht dafür eine entsprechende Klausel, und ein Energieeffizienz-Experte ist einzubinden. Wer erst baut und dann fragt, bekommt nichts.
Fördersätze und Höchstgrenzen stehen hier bewusst nicht, weil sie an dieser Stelle bei jeder Änderung veralten würden. Welche Wege es gibt, welche Arbeiten am Dach abgerechnet werden dürfen und in welcher Reihenfolge Vertrag und Antrag zusammenkommen müssen, steht mit Fundstelle und Abrufdatum auf der Seite zur Förderung für die Dachsanierung.
Was eine Anfrage brauchbar macht
Aus den Abschnitten oben ergibt sich, welche Angaben ein Betrieb braucht, um überhaupt kalkulieren zu können. Ohne sie bekommen Sie eine Hausnummer, und Hausnummern lassen sich nicht vergleichen.
Nützlich sind die ungefähre Dachfläche oder wenigstens Grundfläche und Neigung, die Dachform samt Gauben und Schornsteinen, der gewünschte Umfang, also Neueindeckung mit oder ohne Dämmung, das Baujahr wegen möglicher Altmaterialien, bekannte Auffälligkeiten wie feuchte Stellen oder durchhängende Flächen, und die Zugänglichkeit für Gerüst und Anlieferung.
Was Sie nicht liefern müssen, ist eine Einschätzung des Dachstuhls. Die gehört in den Vor-Ort-Termin, und ein Betrieb, der sie ohne Besichtigung abgibt, sagt damit mehr über sich als über Ihr Dach.
